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Parkinson Krankheit: Prävention und Kontrolle durch Lebensstil-Medizin

Stefan Bogdanov

 

Die Parkinson-Krankheit (PK) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch einen allmählichen Verlust von Nervenzellen im Gehirn, die den wichigen Neurotransmitter Dopamin produzieren, entsteht. Die Ursachen liegen in verschiedenen Störungen: 

  • fehlerhafte Energieproduktion
  • Neuro-Entzündungen
  • oxidativer Stress
  • Anhäufung "fehlgefalteter" Proteine in den Nervenzellen.

Zusammen schädigen diese Faktoren das zentrale Nervensystem und beeinträchtigen die motorischen Funktionen. Dies verursacht die charakteristischen Symptome der Parkinson-Krankheit:

    Steife Muskeln

    Schwierigkeiten beim Stehen, Gehen und anderen körperlichen Bewegungen

    Unwillkürliche Bewegungen

    Rigidität

    Langsamer schlurfender Gang

    Schwierigkeit zu sprechen

    Demenz

    Verminderter oder verlorener Geruchssinn

    Reduzierter Gesichtsausdruck

    Verstopfung

 

Die häufigsten Wurzel-Ursachen der Krankheit sind:

  1. Genetische Risiken und Alter
  2. Darm-Funktionstörung
  3. Glutenunverträglichkeit
  4. Autoimmunität
  5. Blutzuckerprobleme
  6. Eisenüberlastung
  7. Schlafprobleme und Schlaflosigkeit
  8. Stress
  9. Gifte und Toxine

Wie erwähnt, wird bei der Parkinson-Krankheit im Gehirn zu wenig Dopamin hergestellt, ein wichtiger Hirn-Botenstoff. Der Dopaminmangel führt dazu, dass Nervenreize schlechter übertragen werden. In der Folge kommt es zu Bewegungsstörungen und anderen Beschwerden. Parkinson-Medikamente sollen den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen und dadurch die Beschwerden lindern. Die Heilmittel können jedoch die Krankheit nicht heilen.  Die Beschwerden klingen besonders im Frühstadium der Erkrankung deutlich ab. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung wird die Behandlung schwieriger. Zudem können teils belastende Nebenwirkungen auftreten.

 

Wie man die Parkinson-Krankheit vorbeugen und kontrollieren kann

Parkinson gilt heute als unheilbar. Da es verschiedene Ursachen für die Krankheit gibt ist es nicht möglich mit nur einem Medikament die Krankheit zu heilen.In der Lebensstil-Medizin werden alle Ursachen für die Krankheit bekämpft. Damit lindert man die Symptome der Krankheit und verbessert die Lebensqualität der Betroffenen.

 

1. Vernünftig essen und Vollwerternährung wählen

Eine Ernährung auf der Basis vollwertiger, nährstoffreicher Lebensmittel ist ein ausgezeichneter erster Schritt, um das Risiko für die Parkinson-Krankheit zu senken. Ein hoher Verzehr von frischem Gemüse, Obst, Nüssen und Samen, Fisch, Olivenöl, Kokosnussöl, frischen Kräutern und Gewürzen ist mit einem verringerten Risiko für die Entwicklung der Parkinson-Krankheit und einem langsameren Fortschreiten der Krankheit verbunden. Der Verzehr von viel Gemüse und Ballaststoffen fördert die entzündungshemmenden Darmbakterien, die eine schützende Rolle gegen neurodegenerative Prozesse im Gehirn spielen können.

Es sollten möglichst Bio-Lebensmittel verzehrt werden, um die Exposition  mit neurotoxischen Pestiziden und Herbiziden zu verringern.

Ketogene Diät

In Tiermodellen der Parkinson-Krankheit reduziert die ketogene Ernährung mitochondriale Schäden und verbessert die motorischen Funktionen. Beim Menschen verbessert diese Ernährung sowohl motorische als auch nicht-motorische Symptome der Parkinson-Krankheit.  Ketone sind eine alternative Kraftstoffquelle für das Gehirn. Das menschliche Gehirn ist in der Regel auf Glukose als Energiequelle angewiesen. Bei Morbus Parkinson ist ein Teil des Prozesses, der zur Energiegewinnung aus Glukose erforderlich ist, gestört, wodurch Glukose zu einer ineffizienten Energiequelle wird. Ketone umgehen diesen Prozess und werden leicht vom Gehirn aufgenommen, so dass sie als effiziente alternative Energiequelle für Neuronen dienen. Der Ketonstoffwechsel verringert den oxidativen Stress im Gehirn und reduziert die Neuroinflammation, wodurch zwei der zugrunde liegenden Ursachen von Morbus Parkinson gemildert werden. Die permanente ketogene Diät ist schwer durchzuführen, aber 3-4 Essperioden pro Jahr sollte man  auf diese Weise essen, um sich vor Morbus Parkinson und einer Reihe anderer chronischer Krankheiten zu schützen. Intervall-Fasten für 16 Stunden ist eine einfache Art den Organismus in Ketose zu versetzen: am einfachsten mit einer Esspause zwischen dem Abendessen und dem Mittagessen am nächsten Tag.

Gluten vermeiden und  die Darmgesundheit pflegen

Angesichts des wahrscheinlichen Zusammenhangs zwischen Glutenempfindlichkeit, gastrointestinaler Entzündung und Morbus Parkinson ist die Prüfung der Glutenempfindlichkeit ein Muss für jeden, der sein Risiko für Morbus Parkinson reduzieren möchte. Wenn bei den Tests eine Glutenempfindlichkeit festgestellt wird,  sollte auf Gluten verzichtet werden.

Die Gesundheit beginnt im Darm. Deshalb sollten regelmässig Prä- und Probiotika konsumiert werden.

Zucker, Fleisch, Milchprodukte minimieren

Konsum von Zucker, Fleisch, Milchprodukte wurden in der Forschung mit erhöhtem Risiko für Parkinson in Verbindung gebracht. Diese Lebensmittel sollten in minimalen Mengen konsumiert werden.

Auch Pasta und andere Kohlehydrate mit höherem glykämischen Index sollten in minimalen Mangen konsumiert werden.

 

2. Pflanzenmedizin

Grüner Tee (EGCG) Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass das Trinken von drei Tassen Grüntee pro Tag das Risiko, an der Parkinson-Krankheit zu erkranken, um 28% senken kann.

Andere koffeinhaltige Getränke, wie z.B. Kaffee, sind ebenfalls mit einem verringerten Risiko für die Parkinson-Krankheit in Verbindung gebracht worden.

Kurkumin ist eine phenolische Verbindung mit entzündungshemmenden Eigenschaften, die im Gewürz Kurkuma und Curry vorkommt. Es hat sich auch in einem Tiermodell der Parkinson-Krankheit als zellverlust-mindernd erwiesen und reduziert die Konzentration des toxischen fehlgefalteten Eisweisses Synuclein.  Curcumin in Kapseln dreimal täglich 400 bis 600 mg einnehmen oder regelmässig Kurkuma konsumieren

Ashwaganda ist ein Heilkraut der ayurvedischen Medizin. Es ist entzündungshemmend, reduziert Angstzustände,  verringert Stress und fördert die Kognition. 2 x täglich a 1300 mg einnehmen.

 

3. Nahrungsergänzungen, Vitalstoffe

Folgende natürliche Vitamine und Vitallstoffe können für optimale Hirnfunktion eingenommen werden:

  • Vitamin C, B1, und D
  • Omega 3 - Fettsäuren
  • Glutathion und N-Acetylcystein
  • Coenzym Q10
  • Acetyl-Carnitin
  • CDP-Cholin
  • Taurin
  • GABA
  • alpha-Liponsäure
  • Trans-Resveratrol
  • Magnesium Threonat

4. Entgiftung

Umweltgifte, toxische Schimmelpilze und Luftverschmutzung tragen wesentlich zur Entstehung der Parkinson-Krankheit bei. Die Schaffung eines gesunden Lebensumfelds am Arbeitsplatz und zu Hause ist eine wesentliche Voraussetzung für die Verringerung des Parkinson-Risikos. Prüfen Sie ob sie Toxine erhalten. Wenn ja, müssen Sie diese durch Entgiftung loswerden.

 

5. Schlaf optimieren

Die Optimierung des zirkadianen Rhythmus und die Verbesserung des Schlafes verbessert die Gehirngesundheit und kann das Risiko, an Parkinson zu erkranken, verringern. Massnahmen sind:

  • einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Plan erstellen
  • in einem völlig dunklen Raum, frei von Elektrosmob durch elektronische Geräte schlafen

Einige Stunden vor dem Schlafengehen sollten keine Blaulicht-emittierende Geräte wie Computer und Mobiltelefone benutzt werden. Diese Geräte sollten mit einer blau-licht blockierende Brille gelesen werden.

 

6. Bewegung und Sport

Körperliche Bewegung hemmt das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit  indem sie die Neuroplastizität verbessert und das Wachstum und Überleben von Neuronen fördert. Folgende Trainingsarten haben positive Auswirkungen auf die Parkinson Krankheit:

 ·      Aerobes Training

·      Kraftübungen

·      Flexibilitätsübungen

·      Balance- und Koordinationsübungen

 

7. Stressreduktion, Neuroplasizitätsübungen

Stressreduktion: Da Stress ein wichtiger Risikofaktor für das Entstehen der Parkinson-Krankheit ist, sollten Stressreduktionspraktiken ein integraler Bestandteil eines Parkinson-Präventionsplans sein. Tai Chi, Yoga und Achtsamkeitstraining reduzieren nicht nur Stress, sondern verbessern auch die Mobilität, das Gleichgewicht und die Lebensqualität für alle, auch für Parkinson-Kranke. Meditation, Dankbarkeitsjournale und das Verbringen von Zeit in der Natur sind ebenfalls ausgezeichnete Strategien, um Stress abzubauen und ein belastbares, gesundes Gehirn zu kultivieren.

Neuroplastizitätsübungen   sind auch empfohlen: Computerspiele, Verbesserung der Kognition und der Konzentrationsfähigkeit, sowie Musizieren und Singen

 

8. Lichttherapie

Die Lichttherapie reduziert die für Parkinson typische Neurodegeneration. In Tiermodellen der Parkinson-Krankheit schützt Nah-Infrarot-Licht dopaminproduzierende Neuronen vor dem Zelltod und verbessert die motorischen Symptome, indem es die normale zelluläre Energieproduktion wiederherstellt und den oxidativen Stress vermindert. Mehrere kleine Studien am Menschen haben gezeigt, dass Nah-Infrarot-Licht Sprache, Kognition, Gang und "Einfrierphasen" oder Momente, in denen eine Person vorübergehend bewegungsunfähig ist, unterstützt.  Nah-Infrarot-Licht wird in der Regel entweder als Low-Level-Laser- oder LED-Therapie (Licht emittierende Diode) verabreicht.

 

Medikamente

Die hier umschriebenen Lebensstil-Massnahmen sind in erster Linie für die Prävention und sind zu Informationszwecken gedacht. Sie sind auf keinem Fall Ersatz für ärztliche Betreuung.

Bei bestehener Parkinson-Krankheit müssen die vom Arzt verschriebenen Medikamenten weiterhin genommen werden. Ein eventuelles Absetzten oder Reduktion der Medikament-Dosis sollte nur in Absprache mit dem Arzt des Patienten gemacht werden.

 

Literatur

John Coleman: Rethinking Parkinson's, 2020

Ben Weinstock: Personalized Parkinson’s, 2020

R. Dorsay,  T. Sherrer, M. Okun, B. Bloem: Ending Parkinson's Disease, 2020

Monique Giroux: Optimal Health with Parkinson’s Disease, 2016

Adam D. Simmons: Parkinson’s Disease, In Rakel, David. Integrative Medicin, 2018

Hall, M.F. and Church, F.  Integrative Medicine and Health Therapy for Parkinson Disease, Topics in Geriatric Rehabilitation: July/September 2020, 36 (3), 176-186