Gehirn Erkrankungen, Gehirn Gesundheit, Funktionelle Medizin

Die anderen Gehirn Krankheiten

Neben den bereits ausführlich behandelten Erkrankungen Alzheimer, Parkinson und Multipler Sklerose gibt es eine breite Gruppe weiterer Gehirnerkrankungen, die für Betroffene und ihre Angehörigen ebenso einschneidend sind – aber in der öffentlichen Wahrnehmung häufig weniger Beachtung finden. Dazu gehören andere neurodegenerative Erkrankungen wie ALS, AMD oder nicht-Alzheimer-Demenzen, psychische Erkrankungen wie Depression, Angststörungen und bipolare Störung sowie „andere“ neurologische Störungen wie Epilepsien, Folgen von Schädel-Hirn-Trauma, chronische Kopfschmerzen oder funktionelle neurologische Störungen.

Obwohl diese Diagnosen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen, teilen sie viele gemeinsame biologische Grundlagen: chronische Entzündung (Neuroinflammation), Störungen der Mitochondrien, oxidativer Stress, Dysbalancen der Hormon- und Stressachsen (z.B. HPA-Achse), Beeinträchtigung der Gefäß- und Mikrozirkulation, Veränderungen im Darm-Mikrobiom sowie Defizite an essenziellen Nährstoffen. Ein integrativer Ansatz nutzt genau diese gemeinsamen Mechanismen als Ansatzpunkte – nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zur konventionellen Neurologie und Psychiatrie.

Integrativ bedeutet: Die klassische Diagnose und Therapie (Medikamente, Operationen, Reha, Psychotherapie) bleiben die Basis. Ergänzend werden systematisch all jene Faktoren betrachtet, die das „ökologische Milieu“ des Gehirns beeinflussen: Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress, Umweltfaktoren, Darmgesundheit, Hormonbalance, Mikronährstoffstatus, soziale Einbindung und Sinnorientierung. Ziel ist, das Gehirn und den ganzen Organismus in ein möglichst regenerationsfreundliches Milieu zu bringen, Selbstheilungs- und Anpassungskräfte zu stärken und die Progression der Krankheit zu bremsen, wo immer dies möglich ist.

Grundprinzipien dieses Ansatzes sind:

  • Das Gehirn ist kein isoliertes Organ, sondern eng mit Immunsystem, Hormonsystem, Darm, Leber, Gefäßen und Muskulatur verbunden.
  • Viele Gehirn-Erkrankungen teilen gemeinsame „Treiber“ wie Entzündung, Insulinresistenz, Gefäßschäden, oxidativen Stress und Mitochondriendysfunktion.
  • Personalisierung statt Standardrezept: entscheidend ist die Frage, warum gerade diese Person krank wurde.
  • Mitbehandlung von Begleitsymptomen wie Fatigue, Schlafstörungen, Angst, depressiver Verstimmung, kognitiver Verlangsamung oder Schmerz, die den Alltag oft stärker prägen als der Diagnose-Name.

Bisher wurden nur für die Erkrankungen Alzheimer und MS erfolgreiche Therapien entwickelt. Der integrative Ansatz, der die Grundlage dieser Maßnahmen bildet, umfasst die simultane Anpassung verschiedener Lebensstilfaktoren. Es konnte festgestellt werden, dass sich die betroffenen Zerfallsprozesse durch die frühzeitige Durchführung der Therapie anhalten und zum Teil umkehren lassen. Der Erfolg der Therapie ist dabei abhängig vom Zeitpunkt ihrer Anwendung, d. h. je früher in der Krankheitsentwicklung die Therapie durchgeführt wird, desto besser ist der Erfolg.

 

Die Darm–Hirn-Achse
Ein wichtiger gemeinsamer Mechanismus vieler hier besprochener Erkrankungen ist die Darm–Hirn-Achse: Veränderungen des Darmmikrobioms, der Darmbarriere und des intestinalen Immunsystems können Neuroinflammation, Gefäßschäden und Stoffwechselstörungen im Gehirn verstärken und verschiedene Gehirnkrankheiten auslösen. Da diese Zusammenhänge für die allgemeine Gehirn-Gesundheit von grundlegender Bedeutung sind, werden sie in einem eigenen Kapitel ausführlich dargestellt.

 

 

Literatur

Das bessere Gehirn,  B.Cortright, 2017

Integrative Neurology, J.McBurney, I. Ruhoy, 2020

Leaky Brain Fix, T. Chiu, 2023

The Mind Diet, M.Moon, 2016

Brain Food, L. Mosconi, 2019

Integrated Medicine for Neurological Disorders, S. Kurn, S. Shook, 2019

 

Im Folgenden werden die weiteren Gehirnerkrankungen in drei Gruppen dargestellt – jeweils mit typischen integrativen Therapieansätzen:

Andere neurodegenerative Krankheiten

Diverse andere Gehirnkrankheiten

Psychische Erkrankungen